Klaus Wilhelm Prior
Egal in welchem Genre Klaus Prior arbeitet – ob als Zeichner, Maler oder Bildhauer – seine Kunst ist in allen drei Darreichungsformen eine ganz und gar attitüdische Kunst. Nicht die Attitüde des Künstlers ist damit gemeint, sondern die des Dargestellten. Eine auf die Attitüde abzielende Kunst hat die Positur und nicht die Pose im Visier. Das Gebärdenspiel der jeweiligen Positur gibt Auskunft darüber, wie sich Haltung und Verhalten, Gebaren und Einstellung zeigen können, wenn sie existenziell gefordert sind, wenn sie sich am Anschlag befinden, wenn sie sich also in einem Zustand befinden, der jederzeit kippen kann, sei es in Lethargie, Aggression oder Ekstase. Schmerz und Verzückung liegen hier eng beisammen. Wie sie letztendlich empfunden werden, darüber entscheidet der einzelne Betrachter.
— Dr. Herbert Köhler, Kunst- und Kulturpublizist
Ganz gleich, ob im Ausstellungsraum, im Atelier oder im öffentlichen Raum – wo immer der Betrachter auf Klaus Priors malerische und bildhauerische Arbeiten trifft, da sieht er sich einem Strudel unmittelbar auf ihn einwirkender Kräfte und Emotionen ausgesetzt. Dieser Künstler lässt uns nicht kalt. Im Gegenteil: Man hat den Eindruck, als legten es diese Werke geradezu darauf an, lebhafte Reaktionen in uns auszulösen. Dabei reicht das beobachtete Spektrum von abrupter, unwirscher Ablehnung ob solch „grob verstümmelnder, düsterer Zumutungen" bis hin zur Achtung dieser als existentielle Äußerungen erfahrenen Figuren.
— Christoph Bauer, Kunstmuseum Singen
Das Archiv Klaus Prior öffnet den Blick auf eine Seite im Werk des Künstlers, die selten so konzentriert zu sehen ist: seine Arbeiten auf Papier. Mit wenigen, schnellen Linien fängt Prior hier die menschliche Figur in ihrer reinsten Form ein – spontan, ohne Umweg über Entwurf oder Korrektur. Was auf den ersten Blick leicht wirkt, trägt dieselbe Kraft wie seine grossformatigen Holzskulpturen: die unmittelbare, kompromisslose Auseinandersetzung mit dem Menschen. Wer Prior nur von seinen Skulpturen kennt, entdeckt hier eine ebenso eigenständige, intensive Facette seines Schaffens.